Die Initiation

Hier möchte ich versuchen, einmal den Unterschied zwischen einer Initiation und der Selbstweihe zu erklären.  (vor allem im Zusammenhang mit Wicca). Dieses war und ist in vielen Hexenforen ein immer wieder auftauchendes Thema. Weiter möchte ich hier nochmal ganz deutlich sagen, dass ich – wenn ich hier Wicca schreibe – das Traditionelle Wicca meine, deren Linien auf Gerald Gardner und Alex Sanders zurückgehen oder auch Mischformen dieser Traditionen sind.

Initiation

Eine initiation ist die formelle Aufnahmezeremonie eines neuen Mitgliedes in die Gemeinschaft der Wicca. Diese ist auf der einen Seite natürlich ein bereits bestehender Coven, auf der anderen Seite ist es unsere größere Gemeinschaft, unsere weltweite “Familie”.

Bevor man initiiert wird, ist es oft üblich, dass der Aspirant / Trainee / Anwärter / Novize eine Probe- und Lehrzeit von einem Jahr und einen Tag durchläuft. In dieser Zeit lernen sich beide Seiten gegenseitig kennen und sehen, ob eine zukünftige gemeinsame Zusammenarbeit möglich ist. Nach dieser Probephase  (und wenn alle Covenmitglieder und der Anwärter es auch noch möchten) wird der Novize in den ersten Grad initiiert und ist damit ein vollwertiges Mitglied des Covens.

Im Verlauf der Initation werden von dem Initianten Versprechen und Eide verlangt, die einen unter anderem zu Geheimhaltung auf verschiedenen Ebenen und Gebieten verpflichten. Und aus diesem Grund kann ich nicht näher auf Themen dieser Art eingehen, weder hier noch bei meinen Novizinnen.

Sollte es jemandem aufgrund der Lebensumstände (z.B. Beruf, Familie, Wohnort oder anderes) nicht möglich sein, einen Coven für sich zu finden, ist es dennoch manchmal möglich trotzdem in Wicca initiiert werden. In diesem Falle sollte er/sie sich eine HPs oder einen HP suchen, die/der bereit und Willens ist, zu initiieren und weiter zu betreuen.Ich persönlich initiiere meine Leute grundsätzlich erstmal “nur” in Wicca hinein. Die Aufnahme in den Coven findet in einem separaten Ritual statt, nachdem alle damit verbundenen “Verpflichtungen” geklärt und abgesprochen sind.

Die Zeit nach der ersten Initiation ist eine weitere Zeit des Lernens und sich selbst kennen lernens. Der Initiant schreibt von seinem Initiator das “Buch der Schatten”  ab.  Das ist, eine Sammlung von traditionellem Material, das er oder sie bearbeiten und ausprobieren muss. Er oder sie lernt die Rituale, Texte und Techniken der Tradition kennen und anzuwenden. In dieser Zeit stellt er oder sie auch die traditionellen Werkzeuge her oder kauft sie.

Durch die Arbeit mit den göttlichen Kräften werden viele Prozesse in der Psyche in Gang gesetzt, die beobachtet und durchlebt werden müssen. Oft finden recht drastische Änderungen im Leben des Initianten statt, da seine oder ihre Werte und Anschauungen sich ändern und relativiert werden. Die Götter halten uns einen Spiegel vor und wir können uns sehen, wie wir wirklich sind.

Einige Traditionen, wie Dianic haben nur diese eine Initiation, andere, wie, Gardnerian und die Alexandrian Traditionen haben insgesamt drei Initiationen oder Grade.

Wenn der Initiant in Übereinstimmung mit seinem oder ihrem Initiator das Gefühl hat, die Tradition, so wie sie ihm übermittelt wurde, erlernt zu haben, kann es sein, dass er oder sie sich in den zweiten Grad initiieren lassen will.
Diese Initiation oder Erhebung ist ein Übergang von “Schüler” zu “Lehrer”, von einem einfachen Mitglied des Covens zu einem erfahrenen Mitglied. Mit dem Erreichen des zweiten Grades wird man zum Hohepriester oder zur Hohepriesterin und ist dafür verantwortlich, die Rituale zu leiten und Coventreffen zu organisieren.

Mit der zweiten Initiation wird das Recht vergeben, andere in den ersten oder zweiten Grad einzuweihen, sowie Hochzeiten, Kindweihen und Trauerzeremonien zu leiten. Diese Initiation ist eine Weihe und Zusage über dieses Leben hinaus und sollte gut überlegt gemacht werden.

Der Initiant des zweiten Grades schreibt einen weiteren Teil des Buches der Schatten von seinem Initiator ab und erlernt die darin beschriebenen Rituale und Techniken. Noch hat er oder sie seine/ihre Ausbildung nicht völlig abgeschlossen.
Die Bindung an den Initiator bleibt weiter bestehen, aber der Initiator wird dem neuen Hohepriester oder der neuen Hohepriesterin mehr und mehr Entscheidungen überlassen. Dieser muss seinen inneren Lehrer finden und sich ihm anvertrauen.
Dieser innere Lehrer kennt uns am besten von allen und wird uns härter anfassen, als jeder äußere Lehrer es kann. Dies kann oft starke Traumata nach der zweiten Initiation bewirken.

 

Wenn die Wogen der zweiten Initiation sich geglättet haben und der Hohepriester oder die Hohepriesterin einige Erfahrungen im Lehren und Leiten eines Covens gewonnen hat, kann er oder sie die dritte Initiation bekommen.

Mit dem dritten Grad nabelt sich der Initiant von seinem Initiator ab und ist jetzt völlig eigenverantwortlich. Das heißt nicht, dass er oder sie nicht weiterhin Rat oder Unterstützung einholen kann, wenn er dies braucht. Es ist jedoch mehr ein höheres Maß an Erfahrung, das dem Initianten zur Verfügung gestellt wird, als direkte Führung.

Er oder sie hat die Kräfte der Götter erfahren und weiß sie in sich oder in seiner Umwelt zu erwecken und zu nutzen. Er oder sie kennt sowohl seine oder ihre Kraft, die der Göttin wie auch die Kraft des Gottes und kann sie in der heiligen Hochzeit verbinden.

Mit der Initiation in den Coven gehört man der jeweiligen Tradition und Linie an  und kann diese mit dem entsprechenden Grad selber an andere weitergeben. In Deutschland ist es zum Beispiel so, dass man damit auch einer “überregionalen” Gemeinschaft angehört, in der viele persönliche Kontakte und Freundschaften pflegen, man sich austauscht und auch gegenseitig hilft und unterstützt.

 

Selbstweihe

Eine Selbstweihe ist etwas, das man für sich selbst (meist allein) durchführt. Man kann sich vielem weihen, zum Beispiel einer bestimmten Weltanschauung, einem spirituellem Weg oder einer Gottheit. Ich selbst habe mich vor vielen Jahren der Göttin Hekate in einem Ritual geweiht und sehe mich seitdem als ihr Priester an. Dies ist mein ganz persönlicher Weg und seit dieser Zeit ist diese Göttin ein wichtiger Bestandteil meines Lebens. Ich habe einen kleinen Altar für sie aufgebaut, an dem ich zu ihr bete oder Rituale für sie abhalte, wenn ich zum Beispiel ihre heiligen Tage und Nächte feiere. Eine Selbstweihe an eine Gottheit kann ebenfalls Versprechen beinhalten.

Im Gegensatz zu den Initationen in Wicca gehöre ich hier keiner Gruppe an. Und ich denke, das ist mit Abstand der größte Unterschied, da ich hier völlig frei bin in der Wahl der Ausübung von Ritualen, die mir im Wicca aufgrund der Tradition vorgegeben werden. Allerdings kann ich hier auf keinerlei traditionelles Material zurückgreifen, dass einem weiterhelfen könnte, sondern muss mein Wissen aus verschiedenen Quellen zusammensuchen und ausprobieren.

Ein “Haken oder “Makel” der Selbstweihe ist es, dass diese von anderen nicht anerkannt werden muss. Ob einem eine solche Anerkennung wichtig ist oder nicht, muss jeder für sich selbst herausfinden.

Teilweise Auszüge mit Copyright 15.02.2003 By: Hexenzirkel mit Genehmigung von Maddalina.

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